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Nominet, die Registry hinter der britischen .UK-Domainendung, hat das zweite Bewerbungsfenster für den Nominet DNS Fund geöffnet.
In dieser Runde stehen bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, für Open-Source-Projekte und Maintainer zur Verfügung, die am Domain Name System arbeiten.
Für viele Leser außerhalb Großbritanniens ist Nominet vielleicht nicht sofort ein bekannter Name. Nominet betreibt die .UK-Registry und gehört damit zu den wichtigen Country-Code-Registries weltweit. Nach eigenen Angaben schützt und verbindet Nominet mehr als 10 Millionen Domains im .UK-Namensraum.
Wichtig ist: Dieses Förderprogramm ist nicht nur für .UK relevant. Der DNS Fund zielt auf die gemeinsame technische Infrastruktur, auf die die gesamte Domain-Branche angewiesen ist: DNS-Software, DNSSEC-Tools, kryptografische Bibliotheken, Validierungssysteme, Resolver, Testumgebungen und andere Open-Source-Komponenten.
Bewerbungen sind seit dem 25. Juni 2026 möglich. Die Frist endet am 17. August 2026 um 9:00 Uhr BST.
Die Euro-Beträge in diesem Artikel sind grobe Umrechnungen mit einem Kurs von 1 Pfund = etwa 1,16 Euro.
Warum das auch außerhalb Großbritanniens wichtig ist
Jede Registry, jeder Registrar, jeder Hosting-Anbieter, jeder DNS-Operator und jedes Online-Unternehmen ist darauf angewiesen, dass DNS zuverlässig funktioniert.
Die meisten Internetnutzer denken kaum über DNS nach. Sie geben eine Domain ein, klicken auf einen Link, senden eine E-Mail oder öffnen eine App und erwarten, dass alles funktioniert. Dahinter steht aber ein großes Ökosystem aus Software und Infrastruktur, das Domainnamen in die Adressen übersetzt, mit denen Computer tatsächlich kommunizieren.
Ein erheblicher Teil dieses Ökosystems basiert auf Open Source. Manche Projekte werden von gemeinnützigen Organisationen, kleinen Teams, Forschern oder einzelnen Entwicklern gepflegt. Ihre Arbeit ist für das Internet entscheidend, lässt sich aber oft nur schwer nachhaltig finanzieren.
Genau hier setzt der Nominet DNS Fund an.
Der Fonds ist nicht für allgemeine Wohltätigkeitsprojekte, Marketingideen oder reine akademische Forschung gedacht. Er soll praktische DNS-Infrastruktur unterstützen, die das Internet sicherer, stabiler und widerstandsfähiger macht.
Was der DNS Fund unterstützt
Nominet beschreibt den DNS Fund als Unterstützung für Open-Source-Infrastruktur, die für Entwicklung, Betrieb und Einsatz des globalen DNS relevant ist.
Beispiele für förderfähige Bereiche sind:
Nominet betont, dass der Fonds nicht für alleinstehende Forschung gedacht ist. Hardware kann berücksichtigt werden, wenn sie direkt für den DNS-Betrieb notwendig ist, zum Beispiel für Performance-Tests. Allgemeine Ausstattung hat dagegen eine geringere Priorität.
Das macht den Charakter des Programms klar: Es geht nicht um ein allgemeines Innovationsprogramm, sondern um die technische Grundlage, auf der Domains funktionieren.
Was im zweiten Bewerbungsfenster verfügbar ist
Die zweite Runde ist größer und flexibler als die erste.
Die wichtigsten Punkte:
Der mehrjährige Ansatz ist wichtig. Open-Source-Infrastruktur passt nicht immer in kurze Projektzyklen. Oft besteht die wichtigste Arbeit aus Wartung: Fehler beheben, Tests verbessern, Dokumentation aktualisieren, neue Standards umsetzen oder dafür sorgen, dass wichtige Werkzeuge nicht veralten.
Nominet weist allerdings darauf hin, dass nur eine begrenzte Anzahl von Projekten die volle mehrjährige Förderung erhalten wird.
Wie Bewerbungen bewertet werden
Die Bewerbungen werden vom DNS Fund Expert Advisory Panel geprüft. Dieses Gremium gibt Empfehlungen an Nominet ab.
Die Bewertung basiert auf folgenden Prinzipien:
Bewerber müssen also zeigen, dass ihre Arbeit sichere und widerstandsfähige DNS-Infrastruktur unterstützt, dass ein echter Bedarf besteht, dass es einen glaubwürdigen Weg zur praktischen Nutzung gibt und dass die Antragsteller liefern können.
Zum Advisory Panel gehören laut Nominet Sara Dickinson, Michele Neylon, Peter Stevens, Roy Arends und Cailean Osborne.
Für die internationale Domain-Branche dürfte Michele Neylon von Blacknight besonders bekannt sein. Peter Stevens von Mythic Beasts bringt Hosting- und Infrastruktur-Erfahrung ein. Roy Arends ist durch DNSSEC- und ICANN-Arbeit bekannt. Sara Dickinson verfügt über tiefes DNS- und DNS-Privacy-Know-how. Cailean Osborne bringt Erfahrung im Bereich Open-Source-Finanzierung und Ökosysteme mit.
Die erste Förderrunde
Nominet gab am 25. März 2026 die ersten fünf erfolgreichen DNS-Fund-Projekte bekannt.
Die erste Kohorte bestand aus:
Diese Projekte sind nicht auf Großbritannien beschränkt. ISC, OARC und OpenSSL Foundation sitzen in den USA. NLnet Labs sitzt in den Niederlanden. Quad9 Foundation sitzt in der Schweiz.
Damit hat der DNS Fund eindeutig eine internationale Dimension. Eine nationale Registry finanziert Infrastruktur, die nicht nur dem eigenen Ländercode hilft, sondern dem globalen Internet.
Wie viel Geld bereits zugesagt wurde
Nominet sagt, dass 370.000 Pfund, rund 429.000 Euro, die Projekte der ersten Runde unterstützen. Das neue Bewerbungsfenster stellt bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, bereit.
Die öffentlich bekannten Zahlen sind:
Nominet hat bisher keine genaue Aufteilung pro Projekt veröffentlicht. Auch eine vollständige Liste abgelehnter Bewerbungen, Zahlungspläne oder detaillierte Meilensteinberichte sind nicht öffentlich.
Die Branche sieht also, welche Projekte ausgewählt wurden und wie hoch der Gesamtbetrag der ersten Runde ist. Eine genaue Projekt-für-Projekt-Aufschlüsselung fehlt bisher.
BIND 9 von ISC
BIND 9 gehört zu den wichtigsten DNS-Server-Projekten der Welt. Es wird von vielen Root-, TLD- und Second-Level-Domain-Operatoren genutzt.
Das geförderte ISC-Projekt ersetzt die Skalierungs- und Performance-Testumgebung für BIND 9.
Das ist sehr praktische Infrastrukturarbeit. DNS-Software muss mit moderner Hardware, wachsendem Traffic und realistischen Betriebsbedingungen getestet werden. Eine bessere Testumgebung hilft Entwicklern, Performance-Probleme früher zu erkennen und BIND 9 langfristig stabil zu halten.
Für Registries und DNS-Operatoren, die BIND einsetzen, ist das eine wichtige Investition, auch wenn sie keine großen Schlagzeilen macht.
validns von OARC
validns von OARC ist ein Validator für DNS- und DNSSEC-Zonendateien.
Das Werkzeug prüft DNS-Daten, bevor sie veröffentlicht werden. Fehlerhafte Zonendaten können Ausfälle, DNSSEC-Probleme, falsche Auflösungen oder Sicherheitsrisiken verursachen.
Nominet beschreibt validns als Tool, das große Mengen an Internet-Adressdaten schnell und effizient vor der Veröffentlichung prüfen kann.
Für Registries ist das sehr relevant. Ein gutes Validierungswerkzeug hilft, Fehler zu erkennen, bevor sie live gehen. Davon profitieren viele Betreiber gleichzeitig.
OpenSSL Library
Die OpenSSL Foundation erhält Unterstützung für Arbeiten an der OpenSSL Library.
OpenSSL ist nicht nur für DNS wichtig, sondern eine der zentralen kryptografischen Bibliotheken des Internets. Sie schützt Websites, Anwendungen, Geräte, Datenübertragungen und zahlreiche Infrastrukturdienste.
Die geförderte Arbeit konzentriert sich auf bessere Tests, darunter Unit-Tests, Memory-Validation-Tests, Mocking-Funktionen und Testinfrastruktur.
Das klingt technisch und unspektakulär, ist aber für globale Infrastruktur sehr wichtig. Bessere Tests in einer kritischen Bibliothek reduzieren Risiken für eine große Zahl abhängiger Systeme.
Cascade von NLnet Labs
NLnet Labs erhält Unterstützung für Cascade, eine neue DNSSEC-Signing-Lösung.
Cascade ist als moderner DNSSEC-Signer konzipiert, zunächst besonders für Top-Level-Domain-Betreiber. Der Fokus liegt auf Transparenz, Kontrolle und betrieblichem Vertrauen.
DNSSEC-Signing ist ein sensibler Teil des Domain-Betriebs. Betreiber brauchen Werkzeuge, die verständlich, zuverlässig und praxistauglich sind. Wenn ein Signer schwer zu verstehen oder zu betreiben ist, steigt das Risiko.
NLnet Labs hat bereits sichtbare Fortschritte gezeigt. Cascade beta 1 wurde im Juni 2026 veröffentlicht. NLnet Labs sagte außerdem, dass die Unterstützung durch den Nominet DNS Fund es ermöglicht habe, fünf Entwickler auf das Projekt anzusetzen.
Für TLD-Betreiber und große DNS-Operatoren könnte Cascade eines der direkt relevantesten Projekte der ersten Förderrunde werden.
Quad9 Foundation
Die Quad9 Foundation betreibt einen Public-Interest-DNS-Resolver mit Fokus auf Sicherheit, Datenschutz und Zugänglichkeit.
Quad9 blockiert bekannte schädliche Domains mithilfe von Threat Intelligence mehrerer Partner. Der Dienst wird als gemeinnütziges Angebot betrieben und nicht als werbe- oder datengetriebenes Resolver-Produkt.
Nominet sagt, die Unterstützung helfe Quad9 dabei, technische Schulden abzubauen, Infrastruktur zu stärken und weiterhin sichere DNS-Dienste für Nutzer und Gemeinschaften weltweit bereitzustellen.
Das ist operative Infrastruktur. Quad9 ist nicht nur Code in einem Repository, sondern ein laufender Resolver-Dienst, der Server, Netzwerke, Monitoring, Updates und Wartung benötigt.
Was bisher erreicht wurde
Die erste Kohorte wurde erst im März 2026 angekündigt. Viele Ergebnisse dürften daher noch in Arbeit sein.
Öffentlich sichtbare Fortschritte sind:
Der bisher sichtbarste technische Meilenstein ist Cascade beta 1. Andere Projekte befinden sich offenbar noch in der Ressourcen-, Werkzeug-, Hardware- oder Umsetzungsphase. Das ist bei Infrastrukturförderung wenige Monate nach Bekanntgabe normal.
Was noch nicht öffentlich ist
Der DNS Fund ist nützlich und relevant, aber es gibt noch Informationslücken.
Nominet hat bisher nicht veröffentlicht:
Für einen Infrastrukturfonds wäre mehr Transparenz hilfreich. Sie würde der Domain-Branche zeigen, was DNS-Wartung wirklich kostet, welche Arbeiten priorisiert werden und welche messbaren Ergebnisse entstehen.
Warum die Domain-Branche das beobachten sollte
Diese Geschichte ist größer als eine einzelne Registry.
Die Domain-Branche hängt von gemeinsamer Infrastruktur ab, doch diese Infrastruktur ist oft unterfinanziert. Alle profitieren davon, wenn DNS-Tools gepflegt werden. Nicht alle tragen aber zur Finanzierung bei.
Der Nominet DNS Fund sendet daher ein wichtiges Signal: Die Pflege von Open-Source-DNS-Infrastruktur ist nicht das Problem von jemand anderem.
Die erste Kohorte zeigt den praktischen Charakter des Programms:
Für Registrare, Registries, Domain-Investoren und Hosting-Anbieter sind das keine abstrakten Projekte. Sie gehören zur technischen Umgebung, in der Domains funktionieren.
Ein mögliches Modell für andere Registries
Besonders interessant ist der Vorbildcharakter des DNS Fund.
Wenn mehr Registries, Registrare und Infrastrukturunternehmen Open-Source-DNS-Wartung finanzieren würden, könnte die gesamte Branche widerstandsfähiger werden.
Der Domain-Markt profitiert von einem vertrauenswürdigen Namensraum. Dieses Vertrauen entsteht nicht nur durch Registrierungsregeln oder Streitbeilegungsverfahren. Es hängt auch davon ab, dass die technischen Systeme darunter zuverlässig funktionieren.
DNS-Tools, Validatoren, Signer, Resolver und kryptografische Bibliotheken zu finanzieren, ist nicht glamourös. Es ist aber direkt mit der Gesundheit des Internets verbunden.
Wichtige Termine für Bewerber
Wer sich bewerben kann
Bewerben können sich registrierte juristische Personen und einzelne Maintainer.
Die Grenzen sind:
Bewerber dürfen nicht in sanktionierten Staaten ansässig sein und nicht auf britischen, EU-, US- oder UN-Sanktionslisten stehen. Nominet-Mitarbeiter, Nominet-Board-Mitglieder, Mitglieder des DNS Fund Advisory Panel und deren unmittelbare Familien sind nicht förderfähig.
Fazit
Das zweite Bewerbungsfenster des Nominet DNS Fund ist eine wichtige Entwicklung für die globale Domain-Branche, nicht nur für den britischen Markt.
Eine große Country-Code-Registry stellt bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, für Open-Source-DNS-Infrastruktur bereit. Dies folgt auf 370.000 Pfund, rund 429.000 Euro, Unterstützung in der ersten Runde für Projekte wie BIND 9, validns, OpenSSL, Cascade und Quad9.
Der Fonds unterstützt die stille, aber unverzichtbare Arbeit, die dafür sorgt, dass Domains auflösen, DNSSEC funktioniert, kryptografische Bibliotheken getestet werden und Resolver-Infrastruktur verfügbar bleibt.
Mehr öffentliche Details zu Einzelsummen, Bewerbungszahlen, Meilensteinen und Ergebnissen wären wünschenswert. Die Richtung ist dennoch positiv.
Für die Domain-Branche ist es eine Erinnerung: Der Markt besteht nicht nur aus Registrierungen, Auktionen und Verkäufen. Er hängt auch von der Open-Source-Infrastruktur ab, die darunter liegt.
Bewerbungen sind jetzt möglich und schließen am 17. August 2026 um 9:00 Uhr BST.
Quellen
In dieser Runde stehen bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, für Open-Source-Projekte und Maintainer zur Verfügung, die am Domain Name System arbeiten.
Für viele Leser außerhalb Großbritanniens ist Nominet vielleicht nicht sofort ein bekannter Name. Nominet betreibt die .UK-Registry und gehört damit zu den wichtigen Country-Code-Registries weltweit. Nach eigenen Angaben schützt und verbindet Nominet mehr als 10 Millionen Domains im .UK-Namensraum.
Wichtig ist: Dieses Förderprogramm ist nicht nur für .UK relevant. Der DNS Fund zielt auf die gemeinsame technische Infrastruktur, auf die die gesamte Domain-Branche angewiesen ist: DNS-Software, DNSSEC-Tools, kryptografische Bibliotheken, Validierungssysteme, Resolver, Testumgebungen und andere Open-Source-Komponenten.
Bewerbungen sind seit dem 25. Juni 2026 möglich. Die Frist endet am 17. August 2026 um 9:00 Uhr BST.
Die Euro-Beträge in diesem Artikel sind grobe Umrechnungen mit einem Kurs von 1 Pfund = etwa 1,16 Euro.
Warum das auch außerhalb Großbritanniens wichtig ist
Jede Registry, jeder Registrar, jeder Hosting-Anbieter, jeder DNS-Operator und jedes Online-Unternehmen ist darauf angewiesen, dass DNS zuverlässig funktioniert.
Die meisten Internetnutzer denken kaum über DNS nach. Sie geben eine Domain ein, klicken auf einen Link, senden eine E-Mail oder öffnen eine App und erwarten, dass alles funktioniert. Dahinter steht aber ein großes Ökosystem aus Software und Infrastruktur, das Domainnamen in die Adressen übersetzt, mit denen Computer tatsächlich kommunizieren.
Ein erheblicher Teil dieses Ökosystems basiert auf Open Source. Manche Projekte werden von gemeinnützigen Organisationen, kleinen Teams, Forschern oder einzelnen Entwicklern gepflegt. Ihre Arbeit ist für das Internet entscheidend, lässt sich aber oft nur schwer nachhaltig finanzieren.
Genau hier setzt der Nominet DNS Fund an.
Der Fonds ist nicht für allgemeine Wohltätigkeitsprojekte, Marketingideen oder reine akademische Forschung gedacht. Er soll praktische DNS-Infrastruktur unterstützen, die das Internet sicherer, stabiler und widerstandsfähiger macht.
Was der DNS Fund unterstützt
Nominet beschreibt den DNS Fund als Unterstützung für Open-Source-Infrastruktur, die für Entwicklung, Betrieb und Einsatz des globalen DNS relevant ist.
Beispiele für förderfähige Bereiche sind:
- Authoritative DNS-Server
- Rekursive Resolver
- DNS-Softwarebibliotheken
- DNS-Protokoll-Toolkits
- DNSSEC-Komponenten
- DNS-over-TLS
- DNS-over-QUIC
- DNS-Monitoring
- DNS-Diagnosewerkzeuge
- DNS-Performance-Tests
- Standardisierungsarbeit, die die Nachhaltigkeit des DNS unterstützt
Nominet betont, dass der Fonds nicht für alleinstehende Forschung gedacht ist. Hardware kann berücksichtigt werden, wenn sie direkt für den DNS-Betrieb notwendig ist, zum Beispiel für Performance-Tests. Allgemeine Ausstattung hat dagegen eine geringere Priorität.
Das macht den Charakter des Programms klar: Es geht nicht um ein allgemeines Innovationsprogramm, sondern um die technische Grundlage, auf der Domains funktionieren.
Was im zweiten Bewerbungsfenster verfügbar ist
Die zweite Runde ist größer und flexibler als die erste.
Die wichtigsten Punkte:
- 2026 stehen bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, zur Verfügung.
- Organisationen können bis zu 100.000 Pfund, rund 116.000 Euro, pro Geschäftsjahr beantragen.
- Organisationen können eine mehrjährige Förderung von bis zu drei Jahren beantragen.
- Einzelne Maintainer können sich nun direkt bewerben.
- Einzelne Maintainer können bis zu 15.000 Pfund, rund 17.000 Euro, pro Geschäftsjahr beantragen.
- Es gibt keinen Mindestbetrag, der beantragt werden muss.
Der mehrjährige Ansatz ist wichtig. Open-Source-Infrastruktur passt nicht immer in kurze Projektzyklen. Oft besteht die wichtigste Arbeit aus Wartung: Fehler beheben, Tests verbessern, Dokumentation aktualisieren, neue Standards umsetzen oder dafür sorgen, dass wichtige Werkzeuge nicht veralten.
Nominet weist allerdings darauf hin, dass nur eine begrenzte Anzahl von Projekten die volle mehrjährige Förderung erhalten wird.
Wie Bewerbungen bewertet werden
Die Bewerbungen werden vom DNS Fund Expert Advisory Panel geprüft. Dieses Gremium gibt Empfehlungen an Nominet ab.
Die Bewertung basiert auf folgenden Prinzipien:
- Öffentlicher Nutzen
- Zentrale technische Notwendigkeit
- Realistischer Weg zur Nutzung im Betrieb
- Das richtige Team oder die richtige Person
- Wert und Nachhaltigkeit
Bewerber müssen also zeigen, dass ihre Arbeit sichere und widerstandsfähige DNS-Infrastruktur unterstützt, dass ein echter Bedarf besteht, dass es einen glaubwürdigen Weg zur praktischen Nutzung gibt und dass die Antragsteller liefern können.
Zum Advisory Panel gehören laut Nominet Sara Dickinson, Michele Neylon, Peter Stevens, Roy Arends und Cailean Osborne.
Für die internationale Domain-Branche dürfte Michele Neylon von Blacknight besonders bekannt sein. Peter Stevens von Mythic Beasts bringt Hosting- und Infrastruktur-Erfahrung ein. Roy Arends ist durch DNSSEC- und ICANN-Arbeit bekannt. Sara Dickinson verfügt über tiefes DNS- und DNS-Privacy-Know-how. Cailean Osborne bringt Erfahrung im Bereich Open-Source-Finanzierung und Ökosysteme mit.
Die erste Förderrunde
Nominet gab am 25. März 2026 die ersten fünf erfolgreichen DNS-Fund-Projekte bekannt.
Die erste Kohorte bestand aus:
- Internet Systems Consortium, Inc. für BIND 9
- OARC Inc. für validns
- OpenSSL Foundation für die OpenSSL Library
- NLnet Labs für Cascade
- Quad9 Foundation für Quad9
Diese Projekte sind nicht auf Großbritannien beschränkt. ISC, OARC und OpenSSL Foundation sitzen in den USA. NLnet Labs sitzt in den Niederlanden. Quad9 Foundation sitzt in der Schweiz.
Damit hat der DNS Fund eindeutig eine internationale Dimension. Eine nationale Registry finanziert Infrastruktur, die nicht nur dem eigenen Ländercode hilft, sondern dem globalen Internet.
Wie viel Geld bereits zugesagt wurde
Nominet sagt, dass 370.000 Pfund, rund 429.000 Euro, die Projekte der ersten Runde unterstützen. Das neue Bewerbungsfenster stellt bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, bereit.
Die öffentlich bekannten Zahlen sind:
- Erstes Bewerbungsfenster: bis zu 370.000 Pfund, rund 429.000 Euro.
- Erste geförderte Kohorte: Nominet sagt, dass 370.000 Pfund, rund 429.000 Euro, DNS-Softwarebibliotheken, Testumgebungen und operative Werkzeuge unterstützen.
- Zweites Bewerbungsfenster: bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro.
- Öffentlich angekündigter Gesamtumfang der ersten beiden Fenster: bis zu 1,02 Millionen Pfund, rund 1,18 Millionen Euro.
Nominet hat bisher keine genaue Aufteilung pro Projekt veröffentlicht. Auch eine vollständige Liste abgelehnter Bewerbungen, Zahlungspläne oder detaillierte Meilensteinberichte sind nicht öffentlich.
Die Branche sieht also, welche Projekte ausgewählt wurden und wie hoch der Gesamtbetrag der ersten Runde ist. Eine genaue Projekt-für-Projekt-Aufschlüsselung fehlt bisher.
BIND 9 von ISC
BIND 9 gehört zu den wichtigsten DNS-Server-Projekten der Welt. Es wird von vielen Root-, TLD- und Second-Level-Domain-Operatoren genutzt.
Das geförderte ISC-Projekt ersetzt die Skalierungs- und Performance-Testumgebung für BIND 9.
Das ist sehr praktische Infrastrukturarbeit. DNS-Software muss mit moderner Hardware, wachsendem Traffic und realistischen Betriebsbedingungen getestet werden. Eine bessere Testumgebung hilft Entwicklern, Performance-Probleme früher zu erkennen und BIND 9 langfristig stabil zu halten.
Für Registries und DNS-Operatoren, die BIND einsetzen, ist das eine wichtige Investition, auch wenn sie keine großen Schlagzeilen macht.
validns von OARC
validns von OARC ist ein Validator für DNS- und DNSSEC-Zonendateien.
Das Werkzeug prüft DNS-Daten, bevor sie veröffentlicht werden. Fehlerhafte Zonendaten können Ausfälle, DNSSEC-Probleme, falsche Auflösungen oder Sicherheitsrisiken verursachen.
Nominet beschreibt validns als Tool, das große Mengen an Internet-Adressdaten schnell und effizient vor der Veröffentlichung prüfen kann.
Für Registries ist das sehr relevant. Ein gutes Validierungswerkzeug hilft, Fehler zu erkennen, bevor sie live gehen. Davon profitieren viele Betreiber gleichzeitig.
OpenSSL Library
Die OpenSSL Foundation erhält Unterstützung für Arbeiten an der OpenSSL Library.
OpenSSL ist nicht nur für DNS wichtig, sondern eine der zentralen kryptografischen Bibliotheken des Internets. Sie schützt Websites, Anwendungen, Geräte, Datenübertragungen und zahlreiche Infrastrukturdienste.
Die geförderte Arbeit konzentriert sich auf bessere Tests, darunter Unit-Tests, Memory-Validation-Tests, Mocking-Funktionen und Testinfrastruktur.
Das klingt technisch und unspektakulär, ist aber für globale Infrastruktur sehr wichtig. Bessere Tests in einer kritischen Bibliothek reduzieren Risiken für eine große Zahl abhängiger Systeme.
Cascade von NLnet Labs
NLnet Labs erhält Unterstützung für Cascade, eine neue DNSSEC-Signing-Lösung.
Cascade ist als moderner DNSSEC-Signer konzipiert, zunächst besonders für Top-Level-Domain-Betreiber. Der Fokus liegt auf Transparenz, Kontrolle und betrieblichem Vertrauen.
DNSSEC-Signing ist ein sensibler Teil des Domain-Betriebs. Betreiber brauchen Werkzeuge, die verständlich, zuverlässig und praxistauglich sind. Wenn ein Signer schwer zu verstehen oder zu betreiben ist, steigt das Risiko.
NLnet Labs hat bereits sichtbare Fortschritte gezeigt. Cascade beta 1 wurde im Juni 2026 veröffentlicht. NLnet Labs sagte außerdem, dass die Unterstützung durch den Nominet DNS Fund es ermöglicht habe, fünf Entwickler auf das Projekt anzusetzen.
Für TLD-Betreiber und große DNS-Operatoren könnte Cascade eines der direkt relevantesten Projekte der ersten Förderrunde werden.
Quad9 Foundation
Die Quad9 Foundation betreibt einen Public-Interest-DNS-Resolver mit Fokus auf Sicherheit, Datenschutz und Zugänglichkeit.
Quad9 blockiert bekannte schädliche Domains mithilfe von Threat Intelligence mehrerer Partner. Der Dienst wird als gemeinnütziges Angebot betrieben und nicht als werbe- oder datengetriebenes Resolver-Produkt.
Nominet sagt, die Unterstützung helfe Quad9 dabei, technische Schulden abzubauen, Infrastruktur zu stärken und weiterhin sichere DNS-Dienste für Nutzer und Gemeinschaften weltweit bereitzustellen.
Das ist operative Infrastruktur. Quad9 ist nicht nur Code in einem Repository, sondern ein laufender Resolver-Dienst, der Server, Netzwerke, Monitoring, Updates und Wartung benötigt.
Was bisher erreicht wurde
Die erste Kohorte wurde erst im März 2026 angekündigt. Viele Ergebnisse dürften daher noch in Arbeit sein.
Öffentlich sichtbare Fortschritte sind:
- NLnet Labs veröffentlichte Cascade beta 1 im Juni 2026.
- NLnet Labs sagte, die Förderung habe den Einsatz von fünf Entwicklern für Cascade ermöglicht.
- Die OpenSSL Foundation hat Arbeiten zur Verbesserung der OpenSSL-Test-Suite beauftragt.
- ISC teilte mit, dass die Förderung neue Ausrüstung für das BIND-9-Performance-Monitoring-Labor unterstützt.
- Quad9 hat die Unterstützung durch Nominet für seine Public-Interest-DNS-Arbeit öffentlich bestätigt.
Der bisher sichtbarste technische Meilenstein ist Cascade beta 1. Andere Projekte befinden sich offenbar noch in der Ressourcen-, Werkzeug-, Hardware- oder Umsetzungsphase. Das ist bei Infrastrukturförderung wenige Monate nach Bekanntgabe normal.
Was noch nicht öffentlich ist
Der DNS Fund ist nützlich und relevant, aber es gibt noch Informationslücken.
Nominet hat bisher nicht veröffentlicht:
- Exakte Fördersumme pro Empfänger der ersten Runde
- Anzahl der eingegangenen Bewerbungen
- Anzahl der abgelehnten Bewerbungen
- Namen abgelehnter Bewerber
- Detaillierter Meilensteinstatus pro Projekt
- Zahlungspläne
- Abschließende Wirkungsberichte
Für einen Infrastrukturfonds wäre mehr Transparenz hilfreich. Sie würde der Domain-Branche zeigen, was DNS-Wartung wirklich kostet, welche Arbeiten priorisiert werden und welche messbaren Ergebnisse entstehen.
Warum die Domain-Branche das beobachten sollte
Diese Geschichte ist größer als eine einzelne Registry.
Die Domain-Branche hängt von gemeinsamer Infrastruktur ab, doch diese Infrastruktur ist oft unterfinanziert. Alle profitieren davon, wenn DNS-Tools gepflegt werden. Nicht alle tragen aber zur Finanzierung bei.
Der Nominet DNS Fund sendet daher ein wichtiges Signal: Die Pflege von Open-Source-DNS-Infrastruktur ist nicht das Problem von jemand anderem.
Die erste Kohorte zeigt den praktischen Charakter des Programms:
- BIND-9-Performance-Arbeit hilft DNS-Operatoren, die eines der bekanntesten DNS-Systeme nutzen.
- validns hilft, DNS- und DNSSEC-Fehler vor der Veröffentlichung zu verhindern.
- OpenSSL-Tests verbessern eine kritische Sicherheitsabhängigkeit.
- Cascade soll DNSSEC-Signing für TLDs und große Betreiber verbessern.
- Quad9 unterstützt Public-Interest-DNS-Auflösung mit Fokus auf Sicherheit und Datenschutz.
Für Registrare, Registries, Domain-Investoren und Hosting-Anbieter sind das keine abstrakten Projekte. Sie gehören zur technischen Umgebung, in der Domains funktionieren.
Ein mögliches Modell für andere Registries
Besonders interessant ist der Vorbildcharakter des DNS Fund.
Wenn mehr Registries, Registrare und Infrastrukturunternehmen Open-Source-DNS-Wartung finanzieren würden, könnte die gesamte Branche widerstandsfähiger werden.
Der Domain-Markt profitiert von einem vertrauenswürdigen Namensraum. Dieses Vertrauen entsteht nicht nur durch Registrierungsregeln oder Streitbeilegungsverfahren. Es hängt auch davon ab, dass die technischen Systeme darunter zuverlässig funktionieren.
DNS-Tools, Validatoren, Signer, Resolver und kryptografische Bibliotheken zu finanzieren, ist nicht glamourös. Es ist aber direkt mit der Gesundheit des Internets verbunden.
Wichtige Termine für Bewerber
- 25. Juni 2026: Bewerbungsfenster geöffnet.
- 7. Juli 2026: Nominet-Webinar von 15:00 bis 16:00 Uhr BST.
- 17. August 2026 um 9:00 Uhr BST: Bewerbungsfrist.
- Woche ab 17. August 2026: Prüfung der Förderfähigkeit.
- 24. August bis 11. September 2026: Auswahlphase durch das Expert Advisory Panel.
- September 2026: Bewerber sollen über das Ergebnis informiert werden.
- Oktober 2026: Vertragsphase und Statements of Work.
- November 2026: Start der Umsetzung.
Wer sich bewerben kann
Bewerben können sich registrierte juristische Personen und einzelne Maintainer.
Die Grenzen sind:
- Bis zu 100.000 Pfund, rund 116.000 Euro, pro Geschäftsjahr für registrierte Organisationen.
- Bis zu 300.000 Pfund, rund 348.000 Euro, insgesamt für Organisationen bei einer dreijährigen Förderung.
- Bis zu 15.000 Pfund, rund 17.000 Euro, pro Geschäftsjahr für einzelne Maintainer.
Bewerber dürfen nicht in sanktionierten Staaten ansässig sein und nicht auf britischen, EU-, US- oder UN-Sanktionslisten stehen. Nominet-Mitarbeiter, Nominet-Board-Mitglieder, Mitglieder des DNS Fund Advisory Panel und deren unmittelbare Familien sind nicht förderfähig.
Fazit
Das zweite Bewerbungsfenster des Nominet DNS Fund ist eine wichtige Entwicklung für die globale Domain-Branche, nicht nur für den britischen Markt.
Eine große Country-Code-Registry stellt bis zu 650.000 Pfund, rund 754.000 Euro, für Open-Source-DNS-Infrastruktur bereit. Dies folgt auf 370.000 Pfund, rund 429.000 Euro, Unterstützung in der ersten Runde für Projekte wie BIND 9, validns, OpenSSL, Cascade und Quad9.
Der Fonds unterstützt die stille, aber unverzichtbare Arbeit, die dafür sorgt, dass Domains auflösen, DNSSEC funktioniert, kryptografische Bibliotheken getestet werden und Resolver-Infrastruktur verfügbar bleibt.
Mehr öffentliche Details zu Einzelsummen, Bewerbungszahlen, Meilensteinen und Ergebnissen wären wünschenswert. Die Richtung ist dennoch positiv.
Für die Domain-Branche ist es eine Erinnerung: Der Markt besteht nicht nur aus Registrierungen, Auktionen und Verkäufen. Er hängt auch von der Open-Source-Infrastruktur ab, die darunter liegt.
Bewerbungen sind jetzt möglich und schließen am 17. August 2026 um 9:00 Uhr BST.
Quellen
- Nominet: zweites Bewerbungsfenster:
- Nominet DNS Fund:
- Nominet DNS Fund Application:
- Geförderte DNS-Fund-Projekte:
- Erste DNS-Fund-Projekte angekündigt:
- NLnet Labs Cascade beta 1:
Cascade: Start your engines!
By Ximon Eighteen Cascade beta 1 “Slàinte mhath” is out, so this is your opportunity to kick the tires and take it for a spin around your testing grounds! Cascade is our new purpose built hidden DNSSEC signer. Those lucky enough to be at DNS OARC 46 in Edinburgh in
blog.nlnetlabs.nl
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